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Work-Life-Balance und sonst? Was Unternehmenswerte in unserer Agentur bedeuten

08. November 2021 Im Büro für Interaktion ist vieles wie in allen anderen Agenturen: Wir haben interessante Projekte, ein schönes Büro im Herzen Wiens, gratis Kaffee und flache Hierarchien. Ungewöhnlich für die Branche ist, dass bei uns die 32h-Woche bei Vollzeitgehalt gilt. Ungewöhnlich für uns alle war, dass wir uns trotz guter Team-Stimmung am Thema Unternehmenswerte ziemlich die Zähne ausgebissen haben. Ein Erfahrungsbericht.

Online Marketing und Social Media Wissen auf hohem Niveau anbieten und das bei Arbeitsbedingungen, zu denen man wirklich gern ins Büro geht – damit kann man unsere Motivation und Ziele gut zusammenfassen. Innerhalb von drei Jahren ist das Büro für Interaktion von zwei auf zehn Personen gewachsen, und damit die Komplexität und das Konfliktpotenzial. Da bei uns Vollzeit 32h statt 38,5h sind, ist es besonders wichtig, dass wir so effizient und reibungsfrei wie möglich arbeiten. Das lässt sich nur zum Teil durch das Verbessern von Prozessen, Projektmanagement-Tools oder Improvisieren lösen. Schon allein aus Effizienzgründen wollten wir Klarheit darüber, worauf wir uns berufen, auf welcher Basis wir stehen und auf welchen gemeinsamen Nenner wir uns einigen.

Nach einigen gedanklichen Runden und Diskussionen sind wir ganz an der Basis gelandet, beim Thema Werte.

Die Wertebroschüre in der Schreibtischlade

Wer beim Stichwort Unternehmenswerte innerlich müde lächelt und an alte Corporate Values Broschüren denkt, die in der Schreibtischlade vergraben liegen, hat unser vollstes Verständnis. Uns ging es ähnlich. Das Verhältnis von anfänglichem Enthusiasmus zu langfristigem Nutzen ist bei diesem Thema ähnlich wie bei Neujahrsvorsätzen.

Dass wir unsere Werte langfristig verankern und lebendig halten wollen, nahmen wir uns also fest vor. Als kleine Firma hatten wir es damit sicher leichter als große Unternehmen, allerdings haben wir auch weniger Zeit, uns dem Thema anzunehmen. Wir starteten also motiviert mit einer Prise Skepsis ins Projekt.

Welche Werte kommen auf die Shortlist?

Ein Kollege übernahm nach der Initiative vom Geschäftsführer den Lead über das Projekt. Bis auf koordinierende Tätigkeiten lagen alle weiteren Arbeitsschritte beim gesamten Team.

Der gesamte Prozess dauerte etwa 10 Monate, wobei es Covid-bedingte Verzögerungen gab. Zwischen dem Ausformulieren und dem Weitertragen der Werte gab es einen Durchhänger. Nach ein paar Schritten waren wir mal froh, eine Pause vom Wertethema zu haben. Hier war es unserem Projektmanager zu verdanken, dass die Werteliste eben nicht in einem Ordner oder einer Schreibtischlade verschwand.

Was heißt Respekt überhaupt?

Im Start-Workshop konnte jede Person Werte, die für sie persönlich wichtig sind, nennen und beschreiben. Danach wurden sie nach Ähnlichkeit geclustert und eingeordnet. Klingt ziemlich einfach, war aber ein mitunter aufreibender Prozess. Gerade an scheinbar offensichtlichen Werten wie “Respekt” haben wir uns abgearbeitet. Was heißt Respekt überhaupt? Schön war, dass es Raum gab, sich auch mal ein bisschen zu verzetteln und vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen. Am Schluss hatten wir nichtsdestotrotz eine Longlist an Werten.

Jeder weiß was Qualität bedeutet

Aus der Longlist wurde in Folgemeetings in Kleingruppen eine Shortlist und eine Beschreibung der Werte und wie wir sie im Arbeitsalltag verstehen. Auch hier waren wir wieder mit überraschenden Missverständnissen und abweichenden Vorstellungen konfrontiert. Wie weit geht Selbstverpflichtung in stressigen Zeiten? Wo hört Offenheit auf und fängt Egoismus an? Und wie um Himmels Willen beschreibt man Qualität, wo doch “jeder weiß was das bedeutet”?

Raus aus der Schreibtischlade

Am Schluss hatten wir die Werte also fertig diskutiert, formuliert und präsentiert. Um nicht das Schicksal der vergessenen Values zu teilen, setzten wir gleich Maßnahmen. Zuerst integrierten wir den Agendapunkt “wertebasiertes Feedback” in unser monatliches Teammeeting. Alle sollen hier Feedback auf Basis unserer Werte an einzelne Personen oder das ganze Team geben. Auch im Recruiting-Prozess wurden sie etabliert.

Ebenso wollten wir die Werte für alle sichtbar machen. Was als Plakat gedacht war, wurde schließlich ein gesticktes Kunstwerk.

Sechs Werte für (fast) alle Fälle

Die Werte, nach denen wir gemeinsam und mit Kundinnen, Partnerinnen, Lieferantinnen und der Gesellschaft um uns arbeiten wollen, sind:

  • Respekt
  • Zuverlässigkeit
  • Selbstverpflichtung
  • Offenheit
  • Spaß & Freude
  • Qualität

 

Als lebendigen Teil unseres Arbeitsalltags begegnen uns die Werte nun immer öfter. Bei Konflikten hilft ein Blick auf “Offenheit” oder “Selbstverpflichtung”, um einen Schritt Richtung Lösung zu gehen.

Ebenso hilft das Zurückgreifen auf unsere Werte, Entscheidungen zu treffen. Ein Projekt ist interessant aber riskant? Können wir im Sinne von Spaß & Freude entscheiden oder würde die Qualität leiden?

Bei all diesen positiven Erfahrungen ist ein Unternehmenswert aber kein Joker, der ausgespielt werden kann, damit sich ein Problem in Luft auflöst. Konflikte bleiben normal und Charaktere sind trotz ähnlicher Wertvorstellungen verschieden. Es ging uns nie um die krampfhafte Vermeidung aller Misstöne, sondern um ein Werkzeug, dass bei Bedarf schnell zur Hand ist für mehr Verständnis im Team. In diesem Sinne ist dieses Projekt also auch ein work in progress. To be continued!

 

Autorin: Doris Baumgartner 

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